Warum tragen Frauen muslimische Kleidung? Unterdrückt es ihren Willen?

Ende August setzte das höchste Gericht in Frankreich das Verbot der Burkini, einer muslimischen Badehose, aus. Die französischen Kurorte, die versucht haben, dieses Verbot durchzusetzen, widersetzen sich jedoch der Entscheidung. Der Burkini-Skandal hat nicht nur Frankreich berührt – er wird in der ganzen Welt aktiv diskutiert; der Kernpunkt dieser Diskussion steht im Zusammenhang mit dem seit langem bestehenden Problem der Intoleranz gegenüber muslimischer Kleidung in säkularen westlichen Ländern. Auf Ersuchen der Medusa beantwortet Achmet Jarlikapow, Doktor der Geschichte und leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Studien am MGIMO, die beschämenden Fragen über den Hijab und die Burka und die damit verbundenen Vorurteile.

Was ist eine Burka? Und was ist der Unterschied zum Hijab?

Paranja ist ein islamisches Gewand. Eine „klassische“ (zentralasiatische) Burka ist ein langes Gewand mit falschen Ärmeln, das den ganzen Körper verbirgt und nur das Gesicht offen lässt. Das Gesicht ist normalerweise mit einem Cachwan bedeckt, einem dichten Netz aus Rosshaar, das angehoben und abgesenkt werden kann.

Die Burka sieht aus wie eine Burka, ist aber eine andere Art von muslimischer Kleidung. Die Burqa ist eine Decke, die den Körper mit dem Kopf bedeckt und einen Schlitz hinterlässt, in dem ein Netz für die Augen gespannt ist. Der in Frankreich verbotene muslimische Badeanzug der Burqini hat nichts mit der Burka zu tun. Erstens bedeckt die Burqini nicht das Gesicht einer Frau, und zweitens ist sie ein Kostüm, keine Decke; ihre Aufgabe ist es, die Umrisse des Körpers einer schwimmenden Frau zu verdecken.

Neben anderen Arten der muslimischen Frauenkleidung gibt es einen Schleier – eine helle Decke, meist von dunkler Farbe, die den ganzen Körper einer Frau von Kopf bis Fuß bedeckt. Der Schleier selbst bedeckt das Gesicht nicht; ein zusätzliches Stück Stoff oder ein Niqab-Kopfumhang kann verwendet werden, um die Haare und das Gesicht der Frau zu verdecken und nur einen Schlitz für die Augen zu lassen.

Viele Varianten muslimischer Kopfbedeckungen in Europa werden als Hijab bezeichnet. Das ist falsch, denn der Hijab ist jede Frauenkleidung, die der Scharia entspricht. Diese Kleidung sollte den ganzen Körper und die Haare einer Frau bedecken; nur Gesicht, Hände und Füße unterhalb der Knöchel können unbedeckt bleiben. Dies kann ein Taschentuch, eine langärmelige Bluse und ein Rock bis zum Boden sein.

Müssen alle Muslime die Burka tragen?

Warum tragen Frauen muslimische Kleidung? Unterdrückt es ihren Willen?

Nein. Muslimische Gläubige sollten vor Außenstehenden einen Hijab tragen – Kleidung, die den Körper und die Haare bedeckt (am Strand ist übrigens ein Burkini-Kostüm obligatorisch, da es sich im Wesentlichen um einen Bade-Hijab handelt). Es gibt Länder, in denen alle Frauen verpflichtet sind, den Hidschab zu tragen, und zwar unabhängig von ihrer Religion – diese Pflicht besteht im Iran und in Saudi-Arabien. In säkularen Ländern haben Frauen keine solche Verpflichtung: In der Türkei zum Beispiel war es Frauen bis vor kurzem sogar verboten, in öffentlichen Einrichtungen im Hijab aufzutreten. Heute hat die Türkei das Verbot jedoch etwas gelockert; Frauen können nun in öffentlichen Schulen auf dem Hidschab erscheinen.

Sagt der Koran etwas über den Hidschab aus?

Warum tragen Frauen muslimische Kleidung? Unterdrückt es ihren Willen?

Ja. Meistens sprechen zwei Ayats (d.h. Verse) des Korans davon, wie Gläubige von Muslimen aussehen sollten. Eine von ihnen (Sure 24 „Licht“, Ayat 31) sagt, dass Frauen „die Augen senken“, „ihre Farben nicht zur Schau stellen“ und „den Halsausschnitt auf ihrer Brust mit ihren Hüllen bedecken“ sollten. Es besagt auch, dass Muslime niemandem „ihre Schönheit zeigen“ dürfen, außer Verwandten und einigen wenigen nahen Verwandten, die das Haus betreten dürfen (z.B. Bedienstete und Kinder).

Auch ein anderer Vers (Sure 33 „Sonmas“, ayat 59) weist gläubige Frauen auf die Notwendigkeit hin, „ihre Hüllen zu senken“: „O Prophet! Sagen Sie Ihren Ehefrauen, Ihren Töchtern und den Frauen gläubiger Männer, sie sollen ihre Decken weglegen (oder näher bringen). Dadurch können sie leichter erkannt (von Sklaven und Huren unterschieden) und nicht beleidigt werden. Allah ist vergebend, barmherzig.